Präzisionslandwirtschaft

geschrieben von Gabi Olpp am Dienstag, 21. April 2020

Auf die exakte Dosierung kommt es an! Hightech Sensorik und flexible Ventiltechnik machen eine Reduktion der Nitratbelastung möglich.

Die Problematik: Im Grundwasser ist zu viel Nitrat. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland schon 2018 wegen eines Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie verurteilt. Grund dafür ist eine jahrelange Düngepraxis, mit der zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangt ist – ganz nach dem Motto «Viel hilft viel. Mehr hilft mehr.»

Aber das muss nicht sein: Längst gibt es neben der Differenzierung von Bodenbeschaffenheiten auch technische Mittel, um beim Düngen unser Grundwasser zu schonen.

Wird in Deutschland also «zu viel» oder nur «nicht präzise genug» gedüngt?

Wie kommt das Nitrat ins Grundwasser?

Wenn die zugeführten Nährstoffe von den Pflanzen im Boden nicht rechtzeitig aufgenommen werden können, gelangen sie durch Regenwasser in Form von Nitrat ins Grundwasser. Bei rund einem Drittel des Grundwassers in Deutschland wird der EU-Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten. Das ist ein Problem, weil aus Grundwasser unser Trinkwasser gewonnen wird. Vor allem für Kleinkinder kann es gesundheitsschädlich sein, wenn der Nitrat-Grenzwert überschritten wird.

Viel hilft wenig

Um die Nitratbelastung zu reduzieren, ist seit Juni 2017 die neue Düngeverordnung in Kraft. Diese erlaubt den Landwirten so viel zu düngen, dass ein Restgehalt von maximal 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar nach der Ernte auf den Feldern zurückbleiben darf.

Begleitet von der entsprechenden Gesetzgebung zur Düngeverordnung, die immer mehr Restriktionen zum Schutz der Umwelt herausbringt, wächst die Verunsicherung der Landwirte. Zusätzlich zur ständigen Ungewissheit, ob man sich bei der Bearbeitung der Böden noch im gesetzlichen Rahmen bewegt, geht es vor allem um die Frage, ob man mit den bestehenden Maschinen überhaupt noch wettbewerbsfähig ist. Denn trotz allem Umweltschutz muss die Ernte bzw. der Ertrag am Ende noch stimmen.

Wie hoch ist der Nährstoffbedarf?

Seit geraumer Zeit entwickeln Landtechnikhersteller Methoden, die messen, wie Böden und Pflanzen beschaffen sind, um daraus präzise zu berechnen, wie viel Dünger im entsprechenden Pflanzenstadium wirklich benötigt wird. «Precision Farming» nennt man diese Vorgehensweise oder «präzise Landwirtschaft». Boden- und Pflanzensensoren, GPS-Technik und spezielle Software verschaffen dem Landwirt so viel Wissen über seine Äcker wie nie zuvor.

Heute geht die Entwicklung in Richtung nährstoffabhängiger Ausbringung. Der Landwirt kann seine Äcker in kleine Flächen unterteilen und für jede Teilfläche herausfinden, wie viele Nährstoffe der Boden dort benötigt. Und zum Beispiel auch, wie viel Stickstoff der dort wachsende Weizen bereits aufgenommen hat.

Da die Nährstoffe in dem inhomogenen Gemisch der Gülle nicht gleichmäßig verteilt sind, setzen Landwirte zunehmend den NIR-Sensor ein. Der Sensor ist ein kleiner, unscheinbarer Kasten mit Anschlusskabeln, montiert auf Gülleleitungen an Fasswagen oder Befüllstationen. NIR steht für Nahinfrarotlicht. Ein NIR-Sensor misst mit Nahinfrarotlicht den Stickstoffgehalt der vorbeifließenden Gülle in Echtzeit. Anhand der erfassten Werte wird die bedarfsgerechte Ausbringmenge berechnet und das Regelventil entsprechend gesteuert.

Precision Farming ermöglicht es Produzenten so, das Richtige, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und auf die optimale Art und Weise zu tun. Landwirtschaft wird noch effizienter, Erträge werden optimiert, Kollateralschäden eingedämmt.

Gut gerüstet für große Vielfalt

Für die Fahrzeug- und Anbaugeräte-Hersteller bedeutet Precision Farming aber nicht nur eine stark zunehmende Anzahl an elektronischen Komponenten, sondern auch eine höhere Varianten- und Funktionsvielfalt im Fahrzeugprogramm. Besonders Güllewagen, sowohl als «Selbstfahrer» als auch in gezogener Ausführung, stellen hinsichtlich der Entwicklungskosten und Entwicklungszeit eine große Herausforderung dar, denn es gilt eine Vielzahl an möglichen Fahrwerks-, Lenksystem- und Güllefassoptionen sowie unterschiedliche Verteilgeräte zu berücksichtigen.

Die Güllewagen Systemlösung – neue Sensortechnologien inklusive

Die von Bucher Hydraulics und Jetter gemeinsam entwickelte Güllewagen Systemlösung ist «NIR-ready», d.h. bereits als Option hinterlegt und parametrierbar. Sämtliche Precision Farming-Funktionen auf Basis des ISOBUS, wie Virtual Terminal, die Einbindung einer Schlepper-ECU, ein frei konfigurierbarer Joystick, Task Controller BAS, die teilflächenspezifische Ausbringung mittels Task Controller Section Control und Task Controller Geo sind «an Bord».

Zukunftssicher: Neue Sensortechnologien werden als weitere Option in das Konfigurationsfile aufgenommen.

Der besondere Clou der generischen Systemlösung: Sämtliche hydraulische und elektrische Teilfunktionen können vom Kunden selbst in einem Konfigurationsfile ausgewählt werden. Alle Teilfunktionen sind vorprogrammiert und in allen Varianten hardware- wie softwareseitig intensiv getestet und erprobt. Die Kunden stellen nur noch ein Textfile für ihr Fahrzeug bzw. Anbaugerät zusammen.

Nicht für jeden ist der Einsatz teurer Hightech-Sensorik rentabel. Die Systeme von Bucher Hydraulics ermöglichen mit ihrer flexiblen Ventiltechnik jedoch erfahrenen Landwirten einen hohen Ertrag unter Einhaltung der Nitratrichtlinien: Das sehr fein dosierbare Ventil mit intuitivem Bedienkonzept sorgt in Verbindung mit einem hohen Erfahrungsschatz des Landwirts für die exakte Dosierung bei geringen Kosten.

Technik der Gülleausbringung – die neuen Regeln

Ab 2020 darf Gülle nur noch bodennah oder in den Boden ausgebracht werden. Lesen Sie mehr darüber, welche Techniken aktuell verboten und welche noch erlaubt sind:

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